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Merida Scultura Endurance 7000-E im Test

von Karsten, zuletzt aktualisiert: 26.03.2021

Die beste Zeit in den Lokomotivsport einzusteigen ist genau jetzt. Denn für praktisch jeden Einsatzzweck und Fahrer steht eine umfangreiche Auswahl von Sportgeräten zur Verfügung. Wer so windschnittig wie nur irgend möglich über den Asphalt heizen möchten oder sich in den Bergen zu Hause fühlt, wird mit dem Aero-Renner oder dem klassischen Racer die Erfahrung seines Lebens machen. Wer Wert auf Komfort legt und auf der Jagd nach dem nächsten Kilometerrekord ist oder entspannte Touren fahren möchte, sollte eher zum Endurance-Rad greifen. Dann gibt es natürlich noch die Gravel-Fraktion, die man fast ausschließlich auf den Trails und Waldwegen vorfindet. Merida schlägt mit dem Scultura Endurance eine Brücke zwischen asphaltierten Straßen und unbefestigten Schotterwegen. Denn wer nach vielen Kilometern endloser Monotonie, Feld- und Waldwege erkunden möchte, kann das mit dem Scultura Endurance ohne Probleme tun. Für mich sind Räder dieser Art die Zukunft. Warum erfährst du in meinem Testbericht.

Ausstattung

Schaltgruppe: Shimano Ultegra Di2
Kassette: Shimano CS-HG700 11-34
Kurbel: Shimano Ultegra 50-34 -  175 mm (Rahmengröße L)
Bremsen: Shimano Ultegra, 160/160 mm
Laufräder: DT Swiss P1850 Spline DB23
Reifen: Continental Grand Prix 4-Season 700 x 32C
Sattelstütze: Merida Expert CC - 27.2 mm
Lenker: Merida Expert SL
Vorbau: Merida Expert CW
Gewicht: 8,37 kg in Größe M
Verfügbar ab: Ende 2021 (im Fachhandel)
Preis: 4249,00 €

Ansicht: Merida Scultura Endurance 7000-E

Optisch gibt das Rad viel her. Feiner Lack, hochwertige Komponenten und Carbonfasern so weit das Auge reicht. Innenverlegte Züge, die durch das Steuerrohr führen, verschaffen dem Rad einen cleanen Look und kommen ohne akustische Untermalung daher. Schaut man sich die Geometrie etwas näher an, fällt direkt auf, Merida setzt mit dem Scultura Endurance den Fokus auf Komfort und Flexibilität. So nimmt man deutlich aufrecht auf dem schicken Gefährt platz und sichert sich dadurch für viele Kilometer wertvolle Körner.

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Größe

XS (47 cm)

S (49 cm)

M (51 cm)

L (53 cm)

XL (56 cm)

Sitzrohr

470 mm

490 mm

510 mm

530 mm

560 mm

Oberohr

524 mm

538 mm

553 mm

568 mm

583 mm

Sitzwinkel

74°

74°

73.5°

73.5°

73.5°

Steuerrohrwinkel

71°

72°

73°

73°

73.5°

Kettenstreben

418 mm

418 mm

418 mm

418 mm

418 mm

Steuerrohr

152 mm

161 mm

177 mm

197 mm

222 mm

Radstand

997 mm

1001 mm

1001 mm

1017 mm

1026 mm

Tretlagerhöhe

66 mm

66 mm

66 mm

66 mm

66 mm

Reach

366 mm

376 mm

380 mm

389 mm

397 mm

Stack

552 mm

565 mm

584 mm

603 mm

629 mm

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Auch ein spontaner Ausflug auf Schotterpisten ist für das Scultura Endurance kein Problem. Das hohe Steuerrohr, die geringe Oberrohrlänge und die breiten 32 mm Continental-Reifen laden förmlich dazu ein. Wer jetzt denkt, dass dadurch auf der Straße weniger Performance erreicht wird - weit gefehlt: Das Steckenpferd ist und bleibt der Asphalt. In Sachen Beschleunigung fällt natürlich ein Vergleich zum klassischen Racer schwer, denn durch die breiten Reifen und die nicht ganz leichten DT-Swiss Laufräder ist es schon etwas träger. Allerdings kann man durch ein entsprechendes Laufrad-Upgrade und einen Reifenwechsel das Gefährt in einen kleinen Sprinter verwandeln (aber, dazu später mehr). Wer es noch komfortabler mag, kann Reifen mit einer Breite bis zu 35 mm montieren, wodurch sich die Möglichkeit bietet, mit einen geringeren Luftdruck zu fahren.

Komfort ist Trumpf!

Apropos Komfortabel: Man nimmt – vorausgesetzt der Sitzknochen-Abstand passt mit dem eher schmalen Sattel zusammen, bequem auf dem Rad platz. In meinem Fall passte der Sattel leider nicht zu meinem Allerwertesten und daher habe ich ihn gegen ein breiteres Modell getauscht. Schade, denn die Sattelschale beherbergt eine kleine Toolbox, in der ein kleines Multitool verstaut werden kann, die ich dann so nicht mehr nutzen konnte. Die Box lässt sich auch bei Bedarf entfernen, um beispielsweise einen gewichtssparenden „Ass Saver“ oder eine Satteltasche zu montieren. Sehr gut gefallen haben mir auch die Kleinen, aber feinen Details, wie die integrierte Sattelstützen-Klemmung oder das optisch sehr aufgeräumte Cockpit. Wolkenbruch und trotzdem 100 Kilometer auf dem Rad zurücklegen? Wer es auch bei widrigen Bedingungen nicht lassen kann, über den Asphalt zu pfeifen, hat die Möglichkeit, sowohl am Vorder- als auch am Hinterrad Schutzbleche zu montieren. Eine Sitzstreben-Brücke gibt den vor Wasser schützenden Helfern zusätzlich halt, kann aber bei Bedarf einfach entfernt werden.

Das Handling ist sportlich, allerdings deutlich in Richtung Stabilität optimiert. Für mich geht das in Ordnung, denn mit dem letzten Fünkchen Geschwindigkeit aus der Kurve raus oder rein zu flitzen hat für mich - mit diesem Rad - nicht unbedingt Priorität. Das Scultura Endurance kommt als neutrales Paket daher, was für die meisten genau richtig ist. Lange Strecken bei einem hohen Tempo zu bewältigen und das befahren von unterschiedlichen Untergründen zu ermöglichen, lädt zum Ausbrechen ein und verspricht maximalen Spaß. Genau darum gehts beim Scultura Endurance.

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Mit der elektrischen Version der Ultegra Di2 war ich vom ersten Tag an zufrieden und kann von sauberen Schaltvorgängen und einem wartungsarmen Setup berichten. Ich hätte gerne die Gangstufen-Steuerung sowie den Schaltmodus verändert, allerdings konnte ich nicht von der eTube-App partizipieren, da das dazu notwendige Bluetooth-Modul fehlte und die Software, mit der ich die Schaltung per Kabel hätte verbinden können, nur auf einem Windows-PC funktioniert. Merida hat daran keine Schuld, denn Shimano fährt leider von Haus aus ein plattformabhängiges Konzept und bietet das Bluetooth-Feature ausschließlich als "Addon" an. Man merkt deutlich, dass die Japaner seit der Markteinführung im Jahr 2009, dass gleiche - mittlerweile nicht mehr ganz zeitgemäße Konzept bei der Einstellung und Konfiguration der Schaltung fahren. Unabhängig von diesen Spielereien erweist sich die Shimano Ultegra Di2 als eine lupenreine Premium Schaltgruppe, die auch bei widrigen Verhältnissen zuverlässig ihren Dienst verrichtet.

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Das Gleiche gilt für die hydraulischen Scheibenbremsen, die sich wunderbar dosieren lassen und auch bei Nässe und frostigen Temperaturen ordentlich zupacken. Die ohnehin sehr zuverlässigen Freeza-Bremsscheiben, die bereits die Betriebstemperatur um 140 °C gegenüber regulären Bremsscheiben senken können, wurden durch zusätzliche Kühlkörper an Front und Heck ergänzt, wodurch eine bessere Wärmeableitung erreicht werden kann. In der Praxis funktioniert das ganz gut. Sandwichverbund-Scheiben neigen unter Dauerbelastung dazu, für eine kurze Zeit zu schleifen, was sich allerdings nach wenigen Sekunden wieder normalisiert. Während der gesamten Testphase konnte ich zu keinem Zeitpunkt diese Problematik feststellen - womit das Konzept von Merida aufzugehen scheint. Cool!

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Mit den 32 mm breiten Continental-Reifen hatte ich vor allem im ruppigen Terrain gute Erfahrungen gemacht. Das griffige Profil - das vor allem für eine gute Kurventraktion sorgt, sowie das zusätzliche Plus Komfort ist natürlich in vielen Situationen Gold wert. Das die hochwertige Reifenmischung nicht zu jeder Situation und zu jedem Fahrer passt, gehört allerdings auch zur Wahrheit. Kurzer Hand habe ich den DT-Swiss Laufrädern einen schmaleren Reifen in der Breite 26 mm übergestülpt und die schweren Butylschläuche durch federleichte Tubolitos ersetzt - und voilà: genau nach meinem Geschmack.

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Die schmaleren Reifen und die leichten Thermoplast-Schläuche machen das Rad etwas agiler und beschleunigen wesentlich besser. Am Berg lässt sich das Scultura nun nicht lange bitten und verwandelt noch effektiver jeden Pedaltritt in Vortrieb um. Grundsätzlich gilt aber: Wer eher touren fährt oder das Merida Scultura Endurance als Allrounder benutzen möchte, sollte lieber bei den breiteren Pneus bleiben. Wer – wie ich – Fan von Tubeless ist, kann aufatmen. Auch wenn die Conti-Reifen nicht mit Dichtmilch befüllt werden können, sind die DT-Swiss Felgen bereits mit Tubeless-Felgenband ausgestattet und eignen sich damit für den schlauchlosen Einsatz.

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Nachdem ich einige kleine Feinheiten an dem Rad auf meine Bedürfnisse abgestimmt hatte, war auf der Strecke neben sehr viel Freude ein hohes Maß an Annehmlichkeit zur verspüren. Das auf Komfort ausgelegte Rahmenkonzept geht voll auf und so ist auch nach vielen Kilometern auf dem Tacho die Luft nicht raus. Das spritzige Fahrverhalten sorgte für hohe Pulsschläge - gerne jenseits der 160 BPM, und einprägsame landschaftliche Erinnerungen. Der Rahmen, der sich wie erwartet als sehr progressiv erwiesen hat, schluckt exzellent Vibrationen und grobe Schläge durch in die Jahre gekommene Straßen. Durch die lange Hinterbaulänge ist das Scultura Endurance linientreu und glänzt – auch bei Nässe – mit einer stabilen Kurvenführung. Lenkbefehle werden prompt umgesetzt, ohne das man zu sensibel dosieren oder gegensteuern muss. Dank der gut ausgewählten Abstufung der Kassette sowie Kurbel wird bergauf jedes Watt in Vortrieb umgewandelt und auf der geraden ist man konstant mit Highspeed unterwegs.

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Der perfekte Allrounder?

Würde ich soweit gehen und das Merida Scultura Endurance 7000-E als Alleskönner bezeichnen, quasi eine Symbiose aus Race, Gravel und Endurance? Zumindest lässt sich sagen, bei dem Rad gibt es viele Schnittpunkte. Wer sich eher im Amateur-Bereich bewegt und sich nicht für jedes Szenario das passende Sportgerät zulegen möchte, erhält mit dem Scultura Endurance 7000-E den idealen Kompromiss. Auch für Einsteiger und unentschlossene ist das Rad empfehlenswert. In meinem Fall habe ich das Rad als Langstreckenwaffe zu schätzen gelernt. Kilometer um Kilometer war ich froh über das lange Steuer- und das kurze Oberrohr, wodurch ich viele Stunden bequem im Sattel verbringen konnte. Sparfüchse, die auf eine elektronische Schaltgruppe verzichten können und beim Laufradsatz kompromissbereit sind, erhalten für weniger als 3000 € das Scultura Endurance 6000 mit dem gleichen Rahmenkonzept und Shimanos mechanischer Ultegra Schaltgruppe.

bike-b brand Zusammenfassung

Fazit: Merida Scultura Endurance 7000-E

Wenn du sportliche Touren magst oder deine Trainingseinheiten auf einem eher komfortorientierten Rad verbringen möchtest, ist das Merida Scultura Endurance genau das Richtige für dich. Technisch ist das Rad vollkommen am Puls der Zeit und bietet neben einer zeitgemäßen Geometrie eine ordentliche Portion Vielseitigkeit.

So habe ich getestet

Das Scultura Endurance in der Größe L wurde mir von Merida für einige Monate zur Verfügung gestellt. Ich habe die Endmontage vorgenommen und das Rad so auf meine Bedürfnisse angepasst, dass ich mich über mehrere Monate hinweg ausschließlich damit bewegen konnte. Da der verbaute Sattel leider nicht zu mir passte, habe ich ein anderes Modell (Ergon SR Pro) verwendet. Auch die Reifen wurden gegen ein schmaleres Modell von Pirelli (700x26c) ausgetauscht. Das Rad habe ich sowohl für kurze Feierabend-Runden als auch für Langstrecken und Entwicklungseinheiten eingesetzt. Gefahren wurde überwiegend über teils anspruchsvolle Berge, asphaltierten Straßen sowie leichte Schotterpisten. Mehrere regenreiche Tage musste das Scultura Endurance über sich ergehen lassen, dadurch konnte ich auch die Langlebigkeit der Lager (Tretlager, Lager der Laufräder) testen.

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author-ava Über Karsten

Ich bin Karsten. Fahrrad-Enthusiast, liebe naturbelassene Trails und endlose Straßen. Ich schreibe hier auf dieser Website Testberichte und Meinungen rund um das Thema Fahrrad, Equipment und Bikeparts. Als multidisziplinärer Radfahrer nehme ich auch mal an Straßen- und Mountainbike-Rennen teil.

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