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Rennrad // Gravel

Im Test: C.B.T. Italia Necer99

von Karsten, zuletzt aktualisiert: 02.11.2021

C.B.T Italia gehört eher zu den Unbekannten in der Welt des Radsports. Dabei kann das Familienunternehmen aus Italien auf eine lange Tradition zurückblicken, die mit dem Gründer Giovanni Tardivo im Jahr 1950 ihren Anfang nahm und bis heute in der dritten Generation fortbesteht.

Die Italiener haben sich ganz dem Rennradsport verschrieben und warten mit wunderschön gestalteten Rahmen sowie Komplett-Rädern auf, die hauptsächlich hart gesottene Racer begeistern sollen. Die neue Generation des Necer99 kommt mit einer progressiven Rahmenplattform, solider Ausstattung und jede Menge Carbon daher. Ganz nach dem Motto „The pure Essence“ ist das Konzept auf das wesentliche reduziert: über lange Zeit möglichst viel Kraft aufs Pedal zu bekommen. Maximale Integration, leicht ist es natürlich auch, und eine ordentliche Portion Aerodynamik sind die Keyfacts des Necer99. Der Rahmen und die vollständig integrierten Züge sind wohl die absoluten Höhepunkte dieses Bikes. Ich mag den cleanen Look, bin mir aber natürlich bewusst, dass es dafür in der Werkstatt komplizierter wird. Aber hey, dass Auge fährt halt mit. Die Laufräder und das schicke Cockpit aus Carbon werden von der hauseigenen Marke „NIX“ beigesteuert. Der Name ist definitiv Programm, denn man kann sagen (Achtung Wortspiel), dass nix von Brems- oder Schaltzügen zu sehen ist. Die Integration ist aber nicht nur optisch gut gelungen, auch nerviges klappern konnte ich nicht feststellen. Neben dem offensichtlichen cleanen Design bietet das Rad ein effizientes aerodynamisches Profil, das uns auf ebenen Strecken aktiv unterstützt, Körner zu sparen.

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Ausstattung

Schaltgruppe:Shimano 105Kassette:Shimano CS-HG700 11-34Kurbel:Shimano 105 50-34 - 175 mm (Rahmengröße L)Bremsen:Shimano 105, 160/160 mmLaufräder:Nix 27.27 Disc (Gewicht: 1750 g)Reifen:Continental UltraSport 25 mmSattel:San Marino MonzaSattelstütze: DEDA Zero Aluminium - 27.2 mmLenker: Nix Carbon KF003 - 44 mmVorbau: Nix Carbon K-Must-03Gewicht: 8,95 kg - Größe 56 (selbstgewogen, ohne Pedale)Verfügbar ab: sofortPreis: 2495,00 €
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Größe

49

52

54

56

58

Sitzrohr

490 mm

520 mm

540 mm

560 mm

580 mm

Oberohr

515 mm

535 mm

546 mm

565 mm

572 mm

Sitzwinkel

74°

74°

73.5°

73°

73°

Steuerrohrwinkel

70.5°

72°

72°

72.3°

72.5°

Kettenstreben

395 mm

395 mm

395 mm

397 mm

397 mm

Steuerrohr

125 mm

145 mm

155 mm

170 mm

185 mm

Radstand

961 mm

968 mm

974 mm

987 mm

997 mm

Tretlagerhöhe

70 mm

70 mm

70 mm

70 mm

70 mm

Reach

366 mm

379 mm

382 mm

391 mm

395 mm

Stack

520 mm

544 mm

554 mm

569 mm

579 mm

Mit einer maximalen Reifenbreite von 28 mm lässt sich aus dem Necer99 zwar kein leistungsfähiges Gravelbike machen, allerdings ist es trotzdem möglich, aus der endlosen Monotonie zu flüchten und einfach mal abseits der Piste unterwegs zu sein. Mein Testrad war mit einer Shimano 105 Brems- und Schaltgruppe ausgestattet, die zwar aufgrund eines Montagefehlers anfänglich Probleme machte, danach allerdings zuverlässig ihren Dienst verrichtet hat. Die 105 ist und bleibt eine echte Allzweckwaffe für den schmalen Taler, die nicht nur renntauglich, sondern auch absolut solide und beständig ist. Es ist schwer, etwas an den Shimano Komponenten zu bemängeln, wenn es nicht gerade mit dem Gewicht zu tun hat.

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Die Scheibenbremsen verzögern zuverlässig und bieten in schwierigen Situationen auf der Strecke eine optimale Dosierung. Wer noch mehr Leistung aus der ohnehin guten Bremse herausholen will, sollte allerdings ein paar Euro in bessere Beläge sowie Bremsscheiben investieren. Das Fahrrad ist serienmäßig mit einer 50/34 Kurbel und einer 11–28 Kassette ausgestattet, die genug Reichweite für knackige Anstiege und lange ebene Passagen bietet. Für kurze Feierabendrunden war mir die Übersetzung etwas zu wuchtig, für Langstrecken wusste ich allerdings die feine Abstufung der Kassette zu schätzen.

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Das hauseigene NIX-KF003-Cockpit das vollständig aus Carbon besteht, lag super in der Hand und bietet dank der abgerundeten Form eine gute Griffigkeit. Wenn du überwiegend mit herkömmlichen runden Lenker vertraut bist, könnte sich das NIX-Cockpit zunächst etwas ungewohnt anfühlen. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass sich das mit der Zeit gibt und eher die Vorteile eines Aero-Cockpits überwiegen, als die (nicht) vorhandenen Nachteile. Die schmale und regressive Form des Selle San Marco Sattels war leider so überhaupt nichts für mich. Ich habe daher kurzen Prozess gemacht und gleich zu Beginn der Testphase den Sattel gegen ein anderes Modell getauscht.

Von den Laufrädern war ich positiv überrascht, obwohl mir eine Sache so gar nicht gefallen hat: Es lösten sich leider schon nach kurzer Zeit an einigen wenigen Stellen die Aufkleber von den Felgen, was in zweierlei Hinsicht für Probleme sorgen könnte. Zum einen können winzige Klebereste in den Bremssattel geraten und mindestens die Bremsleistung verringern, zum anderen sieht es natürlich nicht gerade schön aus. Hier sollte C.B.T. Italia unbedingt nachbessern, schließlich habe ich das Rad kaum 100 km bewegt, als ich das Problem festgestellt habe. Abseits der optischen Mängel haben die Laufräder aber einen guten Eindruck hinterlassen.

Auf der Strecke

Wilde Pferde kann man nicht zähmen, so sollte eines klar und unmissverständlich sein: Das Necer99 ist eine absolute Rennmaschine. Ein wahres Komfortwunder kann und sollte man nicht erwarten, daher ist es nur bedingt für Langstrecken und Grandfondos geeignet. Aber als Endurance-Rad möchte das Necer99 auch gar nicht auftreten, sondern eher als absolut spaßiges Renngefährt, mit dem du lange Anstiege bewältigen und mit Highspeed über den Asphalt pfeifen kannst. Für Rennräder dieser Kategorie wird wie üblich sportlich gestreckt auf dem Rad Platz genommen, so auch bei dem Necer99.

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Das wunderschöne tiefe Aerocockpit zieht die Arme ordentlich nach unten und vermittelt ausdrücklich: Jetzt wird nicht länger gekleckert, sondern geklotzt! In Kurven vermittelt das Rad viel Vertrauen und Stabilität, was auch durch die guten 25 mm Reifen von Continental unterstützt wird. Der hochwertige Carbon-Rahmen sowie die vollständig aus Carbon bestehende Lenker-Vorbau-Kombination schluckt kleine Unebenheiten unbeeindruckt weg. Bei der Übersetzung haben die Italiener alles richtig gemacht, denn eine 11-34 Kassette macht lange Anstiege sehr angenehm. Auch wenn ich mich nicht wirklich mit dem Umwerfer anfreunden konnte, hat technisch alles so funktioniert, wie es funktionieren sollte. Ich kann mir das Necer99 auch sehr gut mit einem 1-Fach-Antrieb vorstellen.

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Die Lenkung ist sehr agil und das Rad reagiert prompt auf Lenkbefehle. Dabei sei gesagt, dass ich das Necer99 stets mit einem Luftdruck von 8 Bar gefahren habe. In steilen Kurven fühlte ich mich damit pudelwohl und mochte es sehr noch mit dem letzten Schwung auf die Gerade wechseln. Wer auf kilometerreichen Touren für etwas mehr Komfort sorgen möchte, sollte allerdings einen niedrigeren Luftdruck wählen.

little brand on summary Zusammenfassung

Fazit: C.B.T. Italia Necer99

Hier gibt es nicht viel zu meckern. Wer nach einer echten Rennmaschine sucht, wird mit dem Necer99 auf seine Kosten kommen. Der leichte Carbon-Rahmen, vollständig integrierte Züge und eine Portion Aerodynamik lässt die Herzen hart gesottener Racer höherschlagen. C.B.T Italia hat ein wunderbares Fahrrad geschaffen, das genau das tut, was es tun soll: das perfekte Werkzeug für den Asphalt und hohe Geschwindigkeiten.

Mehr Informationen findet ihr unter cbtitalia.com

So habe ich getestet

Das Rad wurde mir von C.B.T. Italia für einige Wochen zur Verfügung gestellt. Ich habe die Endmontage vorgenommen sowie die Sitzposition und Sattelhöhe auf meine Bedürfnisse angepasst. Der vormontierte Sattel wurde gegen ein Modell von Ergon getauscht. Gefahren wurde überwiegend über teils anspruchsvolle Berge, asphaltierten Straßen und ruppiges Kopfsteinpflaster.

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Über Karsten

Ich bin Karsten. Fahrrad-Enthusiast, liebe naturbelassene Trails und endlose Straßen. Ich schreibe hier auf dieser Website Testberichte und Meinungen rund um das Thema Fahrrad, Equipment und Bikeparts. Als multidisziplinärer Radfahrer nehme ich auch an Straßen- und Mountainbike-Rennen teil.

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